28 Mai

„Wir sollen mit unserem Lebensraum in Vorleistung treten!“

Gut besuchter Info-Abend der BI SAVE Kirchlinteln / Wirtschaftlichkeit wird hinterfragt

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Lintler Krug am Dienstagabend. Nahezu 200 Interessierte folgten der Einladung der Bürgerinitiative (BI) Save. Kirchlinteln, um sich über den geplanten Ausbau der Amerikalinie für den Güterverkehr zu informieren.

Zu Beginn stellte Ingo Bertram, Sprecher der BI, klar, dass diese erfreut über die Nachricht ist, dass der Anschluss Kirchlintelns an den Personennahverkehr der Bahn wiederhergestellt wird. Auf seine Anfrage habe das Verkehrsministerium mitgeteilt, dass es hier keinen Zusammenhang mit dem Ausbau für den Güterverkehr gibt.
Anschließend stellte er anhand von Schaubildern die derzeit vier Ausbauvarianten vor, bei denen die Amerikalinie betroffen wäre. Diese gilt wegen der bestehenden Betriebsgenehmigung als „Ausbaustrecke“ und sei daher besonders attraktiv für die Planer. In der Alpha- und der SGV-Y-Variante wäre sogar ein zweispuriger Ausbau möglich. Dazu erklärte Werner Kunath, Leiter des Fachbereiches Bau der Gemeinde, dass es im Ernstfall wohl rechtlich zu klären wäre, ob die laufende Betriebsgenehmigung auch für ein zweites Gleis gelten würde. Die Bahn habe früher damit argumentiert, dass ein kaiserlicher Erlass von 1904 nie aufgehoben wurde. Er betonte, dass neben dem Lärm auch die Erschütterungen eine Gefahr für die Gesundheit darstelle. Ob und in welcher Höhe eine Kostenbeteiligung der Gemeinde an zu ändernden Übergängen besteht, müsse er erst prüfen.
Bertram monierte, dass weiterhin keine Planungen für den 22 km langen Abschnitt von St. Pauli bis Langwedel einsehbar wären. Bürgermeister Wolfgang Rodewald, der aus persönlichen Gründen verhindet war, habe beim letzten Dialogforum in Celle auf Anfrage die Antwort der Bahn erhalten, diese seien „vergessen worden“. Ob der vergessene Abschnitt auch in die Kostenrechnung (bis zu 1,7 Mrd. €) einbezogen wurde, bleibe unklar.
Anhand einer Fotostrecke zählte er dann die Bahnübergänge in der Gemeinde auf und erklärte, welche Folgen eventuelle Schließungen für den Rettungsdienst, die Landwirtschaft und die Erreichbarkeit in den Ortschaften haben könnte.
Anschließend wurde -ebenfalls wegen fehlender Unterlagen der Bahn- der Versuch vorgestellt, vorhandene Karten über zu erwartende Schallauswirkungen auf die Gemeinde Kirchlinteln zu übertragen.

Es übernahm nun Jörg Eggers das Wort, Gastredner der BI UNSYNN, die im Umkreis von Soltau wirkt. Er zeigte anhand offizieller Unterlagen auf, dass der Ausbau der Amerikalinie vom Bund mehrmals -zuletzt 2014- als unwirtschaftlich abgelehnt wurde. Sehr kritisch befasste er sich mit den Prognosen für das zukünftige Güteraufkommen, die die Grundlage für den geplanten Schienenausbau darstellen. Er bezweifelt stark, dass die dort genannten Zahlen der Wahrheit entsprechen werden und belegte dies anhand einer Studie von 2007 für die folgenden acht Jahre. Die damals für 2015 prognostizierten Steigerungsraten wurden z. B. von Hamburg nur zu 55% erreicht, für den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven sogar nur zu unter 2%.
Und da der Hambuger Hafen auch in Zukunft das Gros der Container aufnehmen wird und der Abfluss dieses Güteraufkommens zu ca. 75 % auf der Nord-Süd-Achse erfolgt, hätte die Amerikalinie für Hamburg keine Entlastungswirkung. Das derzeitige Güterzugaufkommen auf dieser Achse betrage täglich 107 statt der prognostizierten 450.
Weiter führte Eggers aus, dass der Handel mit China als wichtigstes Merkmal der Prognosen überbewertet sein könnte. Der chinesische Außenhandel hätte aktuell ein Minus von 14% zu verzeichnen und der chinesische Konzern COSCO stehe vor dem Teilkauf des Hafens Piräus, wodurch die Warenflüsse nach Norddeutschland nochmals dünner werden dürften. Außerdem sei unklar, wie weit der Ausbau weiterer europäischer Konkurrenzhäfen, die mögliche Elbvertiefung und der demographische Faktor und vieles andere mehr in die Prognosen eingeflossen sind. Diese müssten daher von unabhängigen Gutachtern überprüft werden.
Gepaart mit einem fehlenden Gesamthafenkonzept, dass direkte Konkurrenz zwischen den deutschen Häfen mit ihren verflochtenen Gesellschaften ausschließt, sei dies alles keine seriöse Grundlage für ein solches Mammutprojekt.
„Wir sollen mit unserem Lebensraum in Vorleistung treten“, so Eggers. Zum Ende seines Vortrags erläuterte er die Möglichkeiten der Teilnahme am Bürgerdialog für jedermann. Er bat die Anwesenden eindringlich, sich einzubringen und auch die Nachbarn anzusprechen.

Ingo Bertram stellte zusammenfassend nochmals die Befürchtungen, Ziele und Pläne der Bürgerinitiative klar und bat um Unterstützung.

Abschließend gab Volker Lück, zuständiger Bereichsleiter des Landkreises, einen kurzen Bericht ab. Demnach setze sich der Kreistag aufgrund der höheren Güterverlagerungen für den Schienenausbau anderenorts ein, im Falle des Ausbaus fordere er maximalen Schallschutz und ein drittes Gleis auf der Strecke Langwedel – Bremen.

1.2.3

19 Mai

Informationsveranstaltung

 Einladung zur öffentlichen Informationsveranstaltung:

„Ausbau der Amerikalinie für den Güterverkehr“

Am: Dienstag, 26. Mai 2015

Um: 19:30 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr)

Im: Lintler Krug, Hauptstr. 11, Kirchlinteln

Sie haben vielleicht schon davon gehört: Es gibt konkrete Pläne, die Eisenbahnlinie zwischen Langwedel und Uelzen, bekannt als Amerikalinie, für den Güterverkehr auszubauen. Güterzüge mit 750 m Länge sollen mit bis zu 120 km/h im
10-Minuten-Takt durch die Orte rasen! Betroffen davon wären die Gemeinden Kirchlinteln und Langwedel sowie Ortsteile der Stadt Verden. Die Folgen wären:

– Gefährdung der Gesundheit durch Lärm- und Staubimmissionen, Elektrosmog
– Wertverlust von Immobilien
– Schließung von Bahnübergängen, Zerschneiden dörflicher Gemeinschaften
– Extreme negative Auswirkungen auf den Tourismus
– Verschandelung der Orte durch Lärmschutzwände und vieles mehr!

Vielen Bürgern sind die Ausbaupläne der Bahn und deren Auswirkungen nicht bekannt. Das wollen wir ändern. Daher lädt die Bürgerinitiative SAVE Kirchlinteln zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein. Hier sollen die verschiedenen Ausbauvarianten, die zu erwartenden Beeinträchtigungen und die Gründe, warum diese Trassenführung von uns abgelehnt wird, vorgestellt werden. Wir haben führende Vertreter der lokalen Politik eingeladen, von denen Wolfgang Rodewald (Bürgermeister von Kirchlinteln) und Volker Lück (Fachbereichsleiter im LK Verden) bereits ihr Kommen zugesagt haben.

Werden Sie aktiv! Nutzen Sie den laufenden Bürgerdialog! Informieren Sie sich!

06 Mai

Beitritt zur Bürgerinitiative

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